Peugeot 504 GR Break von Matthias Giersche, z. Zt. Kampala/Uganda

 

 

Historie

Matthias Giersche, der z. Zt. aus beruflichen Gründen in Uganda lebt, hat mir diese nahezu unglaubliche Geschichte über seinen 504 GR Break, Bj. 1996 (!), geschickt:

Afrika und Peugeot zwei Dinge die für mich untrennbar miteinander verbunden sind.

Wenn ich mich recht erinnere, ging’s schon 1984 los. Damals noch mit einem VW Passat und fröhlichen 55 PS auf  nach Algerien! Bis nach Tamanrasset (Süd-Algerien) haben wir es geschafft und damals die Leute beobachtet, die mit Peugeots gefahren sind, um sie dann in West-Afrika zu verkaufen. Echt clever, spart ja enorme Reisekosten!

Also, das wollten wir auch mal probieren. Zurück in Berlin sofort VW verkauft – hat tatsächlich durchgehalten – und 504 gekauft. Schönes Auto: 504 L in Silber ohne Rost! Der 504 war klasse! Sehr komfortabel, geländegängig und sehr, sehr stylisch! Macht auf dem Ku-damm genauso eine gute Figur wie in Wüste! Einmal mit dem Peugeot/Wüsten Virus (eine wirklich gemeine Kombination) infiziert ging’s unermüdlich weiter: Autos in Berlin gekauft, in Norddeutschland gelagert und repariert. Daneben in Berlin bei einem Freund in der Werkstatt „schwarz“ Peugeot geschraubt. Als Student braucht man ja Geld. Apropos: Der Freund hat jetzt einen Campingplatz in Atar, Mauretanien, und freut sich immer über Besuch. Nur, jetzt bitte keine Peugeot mehr verschieben!! Toyota Corolla tut’s auch!

Die Reisen haben mein weiteres „Autoleben“ bis heute geprägt – beruflich natürlich auch! Afrika hat mich nicht mehr losgelassen.

Afrika, da hab ich die Autos wirklich schätzen gelernt: Wo immer ich hin wollte, der 504 hat mich dahin geschaukelt! Zwischen den Reisen auch in Deutschland - selbstverständlich - im 504 unterwegs. Damals, Ende der 80er, Anfang der 90er, waren die Autos immer noch als Rostgurken verschrien und an „Franzosen“ mochte ja niemand schrauben! „Da braucht man ja zwei Gummihände, so verbaut sind die Kisten“ war der Standardkommentar. Ich habe in dieser Zeit davon profitiert und immer günstig 504 einkaufen können. Der rote 77'er GL auf dem Bild unten hat damals in Berlin für einen Kasten Bier den Besitzer gewechselt, weil der TÜV abgelaufen war! Heute hat sich das Blatt ja gewendet, und diese Autos sind nicht mehr so leicht zu bekommen.

1994 war es dann soweit erster beruflicher Einsatz in Afrika! In Tansania hab ich über zwei Jahre eine 505 GR Limo gefahren. Unglaublich: Das Auto fuhr wirklich überall hin! Leider gab es keinen 504 zu kaufen, aber mit einem 505 in die Serengeti ist ja auch nicht schlecht!

Damals wurde das Auto richtig „afrikafein“ gemacht: Höher legen, große Reifen, Unterbodenschutzblech und für die Schlammstrecken Schneeketten im Kofferraum.

Dann ging’s weiter nach Simbabwe. Hier konnte ich es mir nicht verkneifen und legte mir einen 504 als Zweitwagen zu. Das Problem war nur, dass diese Autos aus Süd-Afrika kamen und meist ein Leben als Taxi hinter sich hatten, bevor sie in Privathände gingen. Mein blauer (panty blue) 504 L war so runter, dass es mir nicht gelang den Wagen wieder in einem anständigen d.h. fahrbereiten Zustand zurückzusetzen (deshalb auch kein Bild – der Frust war zu groß!). Durch diverse Unfallschäden, das Leben als Taxi in Afrika ist hart, war die Karosse krumm und schief, und letztendlich war der Motorblock nicht mehr zu reparieren.

Das Auto wurde nur mit Wasser im Kühler gefahren, was dazu führte, dass die Sitze der Laufbuchsen komplett vergammelt waren und der Motor nicht mehr dicht zu machen war! Ein neuer Block hätte sich für das Auto nicht mehr gelohnt! Hab vor kurzem eine E-Mail bekommen und gehört, dass das Auto nun doch wieder fährt – werde noch mal nachfragen – erscheint mir fast wie ein Wunder!

Aus politischen Gründen wieder in Deutschland - Mugabe hat gute Arbeit geleistet - begab ich mich auf die Suche nach einem 504! Nun merkte ich aber erschreckt, dass in Deutschland die Autos schon Klassiker waren. Michael hatte ich mal kurz angeschrieben, da ich auf der Suche war. Nun ärgerte ich mich doch gewaltig, dass ich vor meiner Ausreise nach Tansania einen 504 TI, Bj. 1969(!), einen 404,  Bj.1965, einen 505 STI sowie Massen von Ersatzteilen verschenkt hatte!

Nach einem Jahr in Deutschland – Wagen aufzubewahren lohnt sich bei meinem Lebenswandel anscheinend eh nicht – bekam ich 2003 das Angebot, in Uganda zu arbeiten. Meine ersten Eindrücke von Uganda waren, was Peugeot betrifft, schon merkwürdig: In den Nachbarländern Tansania und Kenia besitzt Peugeot und hier vor allem der 504 einen wahren Kultstatus, nicht zuletzt wegen der Rallye-Erfolge in den Siebzigern. In Uganda keine Spur davon! Uganda ist Toyota Country, und Peugeots sieht man sehr, sehr selten!

Trotzdem wollte ich wieder einen 504 haben und wenn’s geht ein richtig schönes Exemplar. Habe zum Glück Zully, einen Bekannten meiner Frau, in Kampala getroffen, der als Automechaniker und Händler die Szene gut kennt. Zudem kommt er aus Tansania, kennt 504s in- und auswendig und versicherte mir, dass Teile in Uganda zu bekommen sind. Nach ungefähr einem halben Jahr kam dann der Anruf: „There is a 504 for sale!“ Nun wusste ich, dass mir Zully keine Gurke andrehen wird, deshalb war ich auch ziemlich nervös! Die Geschichte zum Auto war aber wirklich unglaublich: Eine Nonne bestellte sich 1975 in Frankreich einen 504 Break. Das Auto wurde geliefert, aber 1976 wurde die Nonne aufgefordert das Land zu verlassen. Idi Amin hatte die Lage in Uganda selbst für Nonnen zu unsicher gemacht! Das Auto (mit 20.000 km auf der Uhr) wurde in einer Garage abgestellt. Im Jahr 2003 kommt die Nonne zurück nach Uganda, und das Auto steht unversehrt in Garage! Nun ruft die Nonne Zully an: „The car needs a service!“ Nach fast dreißig Jahren steht das Auto da wie neu und läuft! Der Verkauf des Autos zieht sich hin und am Ende verbietet das Mutterhaus in Italien den Verkauf! FRUST!!

Dennoch - die Rettung erfolgt in Form eines Anrufes zwei Wochen später: „Actually I found your car! There is another 504 for sale.“ Wieder Zully, der einen 504 Break in der Stadt gesehen hat und der Kiste bis nach Hause hinterhergefahren ist. Schön, wenn man Freunde hat die den 504 zu schätzen wissen!

Schnell einen Besichtigungstermin organisiert und tatsächlich: Ein 504 Break GR, 1,8 l, Bj. 1996(!) steht zum Verkauf. Das Auto ist in Kenia gebaut (ich glaube, bis 1999 wurden dort 504 gebaut) und hat sogar eine Klimaanlage – wurde meines Wissens auch in Nigeria angeboten!

Der Kilometerstand von 40.000 Km ist viel versprechend. Im Auto liegen noch die Original-Betriebsanleitung und das Serviceheft! Die Rechnung von 1996 ist auch noch vorhanden: Fast 29000 $ US. Nicht schlecht für so ein Auto! Das Auto ist komplett rostfrei! Ein weiterer Goodie: Das Auto hat ein so genanntes „Limited Slip Differential“, dreht also im Schlamm nicht so schnell durch. Gabs - so glaube ich - nur in den Afrikamodellen von Peugeot.

Wir sind uns schnell handelseinig und für einen anständigen Preis werde ich stolzer Besitzer! Nun ist für mich eins klar: Diesen gebe ich nicht mehr her – egal wo ich noch mal arbeiten sollte – und wenn es in China ist!

Deshalb stehen jetzt einige Arbeiten an: Der Auspuff ist nicht Original und muss ersetzt werden. Der Wagen bekommt eine Hohlraumversiegelung, die Klima arbeitet unzureichend, die Stoßdämpfer sind schon etwas müde (kaufe ich in Deutschland – kennt einer eine gute Quelle?), die Türverkleidungen müssen getauscht werden – in Kenia wurde keine Plastikfolie zwischen Verkleidung und Tür montiert, dadurch haben sich die Verkleidungen schon etwas aufgelöst -, Zündung und Vergaser brauchen mal eine anständige Einstellung etc... Kleinigkeiten!

Einziger Wehmutstropfen: Der Wagen hat das „neue“, etwas sehr plastikmäßige Armaturenbrett, welches nicht so stabil ist wie das Alte.

Zully meinte sofort, das lässt sich umbauen. Ob ich das will? Insgesamt wirkt die Kenia Ausführung nicht ganz so solide 504s aus Frankreich – obwohl diese Autos auch nicht gerade im Ruf stehen, super verarbeitet zu sein. Die Verarbeitung im Innenraum muss noch etwas aufgewertet werden, da lässt sich aber 'ne Menge verbessern. Vielleicht wird er ja mal in Deutschland auftauchen; es kann sein, dass ich dort mal wieder arbeite.

Wie sieht es da eigentlich mit der Zulassung aus? Habe mal gehört, dass Autos aus diesem Baujahr einen Kat brauchen. Kennt sich da ein Leser aus? Sonst muss ich eben die Papiere entsprechend „anpassen“ – okay, ein Scherz!! Vielleicht werde ich mir auch mal einen kleinen Traum erfüllen und im 504 von Kapstadt nach Berlin fahren! Wäre doch auch mal eine schöne Geschichte!

In diesem Sinne: Wünsche den 504 Fahrern in Deutschland viel Fahrvergnügen!

Gruß aus Kampala in Uganda, wo eigentlich immer 504-Wetter ist!

Matthias

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